Robuste Krawallmacherin – Die Soundcore Boom 2 im Test

Mit der Soundcore Boom 2 setzt Anker den Trend fort, dem namhaften Mitbewerb von JBL bis Bose mit knallharter Preispolitik bei überraschend solider Performance das Leben schwerzumachen.
Mit dieser Bluetooth Box hat die Marke die direkte Nachfolgerin der beliebten Motion Boom im Programm und schickt sich damit an nicht weniger als die perfekte Begleiterin für Baggersee, Gartenparty oder verregnete Nachmittage am Festivalzeltplatz zu sein. Ob die kompakte Krawallmacherin für nicht ganz 100 Euro tatsächlich die Muskeln spielen lässt oder ob es sich bei dem integrierten Partylicht nur um Blendwerk handelt, klärt mein Test

Soundcore Boom 2 – She‘s got the look

Schon beim ersten Auspacken macht die Soundcore Boom 2 kein Geheimnis aus ihrem Einsatzzweck. Wer hier filigranes Hi-Fi-Design für den edel eingerichteten Designertisch erwartet, liegt vollkommen falsch. Die Box kleckert nicht, sie ist ein robuster Klotz für draußen, der auch mal gröbere Behandlung ohne Murren wegsteckt. Mit Abmessungen von knapp dreißig Zentimetern Länge und einem Gewicht von rund 1,7 Kilogramm bringt der Lautsprecher eine ordentliche Masse auf die Waage, bleibt jedoch dank des massiven, fest integrierten Tragegriffs erstaunlich handlich.

Soundcore Boom 2: Die Box in ihrer vollen Pracht – Bild Copyright by BeyondPixels.at

Das Gehäuse der Soundcore Boom 2 besteht zwar überwiegend aus Kunststoff, wirkt aber durchwegs stabil und sauber verarbeitet. Nichts knarzt oder klappert unter Belastung. Die Front wird von einem matten Metallgitter dominiert, auf dem das Soundcore-Logo prangt. Ein optisches Highlight sind die beiden seitlich angebrachten Passivradiatoren für den Bass. Diese schwingen nicht nur sichtbar im Takt der Musik mit, sondern bringen mit anpassbaren RGB-LEDs Farbe zum Sound. Das bringt auf Wunsch ein bisschen Party-Feeling, empfinde ich aber eher als nette Dreingabe, die halt zusätzlich Strom frisst. Immerhin ist sie nur optional und kann abgeschaltet werden.

Soundcore Boom 2: LED there be light – Bild Copyright by BeyondPixels.at

In puncto Robustheit punktet die Box mit einer Zertifizierung nach dem Schutzstandard IPX7. Das bedeutet im Klartext: Ein versehentlicher Sturz in den Pool oder ein heftiger Regenschauer bringen die Boom 2 nicht aus der Ruhe. Der Lautsprecher geht im Wasser nicht einmal unter, sondern schwimmt an der Oberfläche weiter. Ein kleines Manko verrät das X in der Schutzklasse allerdings. Ein zertifizierter Staubschutz fehlt. Wer den Speaker ausgiebig im feinen Sandstrand eingräbt, wird bei der Reinigungsaktion wenig Freude und viel zu tun haben. Also merke: Sandstorm von Darude abspielen – yay, im Sandsturm mit der Box spielen eher nay

Funktionen und Bedienung

Auf der Oberseite der Soundcore Boom 2 befinden sich gut erreichbare, gummierte Tasten zur Steuerung. Neben den Standardfunktionen für Lautstärke, Wiedergabe und Bluetooth-Kopplung findet sich hier auch ein dedizierter Taster für den BassUp-Modus. Praktisch ist, dass die Tasten hintergrundbeleuchtet sind, wodurch sich die Box selbst bei nächtlichen Sessions im dunklen Park problemlos bedienen lässt.

Soundcore Boom 2: Bei den Buttons macht die Beleuchtung durchaus viel Sinn – Bild Copyright by BeyondPixels.at

Wer das volle Potenzial der Boom 2 ausschöpfen möchte, kommt um die hauseigene Soundcore-App nicht herum. Diese punktet mit Übersichtlichkeit sowie schneller Verbindung. Über die App lassen sich nicht nur Firmware-Updates einspielen und verschiedene Beleuchtungsmuster für die seitlichen LEDs auswählen, sondern vor allem lässt sie sich als vollwertiger Equalizer nutzen. Sogar Entspannungsgeräusche wie Meeresrauschen oder Vogelgezwitscher lassen sich zum Einschlafen aktivieren.
Auch in Sachen Konnektivität bietet das Gadget einiges. Bluetooth 5.3 ist zwar mittlerweile etwas veraltet, aber die Verbindung bleibt auch auf Entfernungen von deutlich über dreißig Metern im Freien stabil. Über die Funktion Auracast lassen sich theoretisch bis zu einhundert kompatible Soundcore-Lautsprecher miteinander koppeln. Ebenfalls an Bord ist eine Freisprechfunktion. Telefonate klingen über das integrierte Mikrofon überraschend klar, sofern die Umgebungsgeräusche nicht zu laut werden. Verzichten muss man hingegen auf einen klassischen Klinkeneingang sowie auf hochauflösende Bluetooth-Codecs wie LDAC oder aptX. Die Boom 2 setzt rein auf die Standard-Codecs mSBC und AAC.

Akkulaufzeit und Powerbank-Feature

Ein wichtiger Faktor bei jedem mobilen Lautsprecher ist die Ausdauer. Anker verspricht für den Boom 2 eine Laufzeit von bis zu 24 Stunden. Wie so oft bei solchen Angaben handelt es sich dabei um einen Richtwert unter Laborbedingungen bei moderater Lautstärke und abgeschalteter Lichtshow. In der alltäglichen Praxis pendelt sich der Akku bei Zimmerlautstärke und aktiviertem Licht irgendwo um die 20 Stunden ein, was immer noch ein hervorragender Wert ist. Dreht man die Lautstärke draußen jedoch voll auf und lässt die LEDs wild im Takt blinken, schrumpft die Ausdauer spürbar ein.

Soundcore Boom 2: Die Frage ob erst das Handy oder die Box keinen Saft mehr hat, stellt sich hier nicht – Bild Copyright by BeyondPixels.at

Geladen wird der Akku über einen USB-C-Port auf der Rückseite, der hinter einer dicken Gummiklappe vor Wasser geschützt ist. Eine echte Schnellladefunktion sucht man leider vergebens. Ein kompletter Ladevorgang nimmt rund vier- bis fünfeinhalb Stunden in Anspruch, was ordentlich Geduld erfordert. Dafür verbirgt sich hinter der Schutzabdeckung ein praktisches Extra: Ein USB-A-Ausgang verwandelt die Boom 2 bei Bedarf in eine Powerbank. Sollte dem Smartphone unterwegs der Saft ausgehen, lässt es sich direkt an der Box wieder mit Strom versorgen.

BassUp or Down?!

Kommen wir zur Königsdisziplin, dem Sound. Die Soundcore Boom 2 ist ein 2.1-Kanal-System, das im BassUp-Modus laut Datenblatt bis zu 80 Watt Ausgangsleistung erreicht. Und genau dieser Modus ist im Grunde auch der Standardbetrieb. Deaktiviert man die BassUp-Taste, wirkt das Klangbild seltsam flach und kraftlos. Entsprechend sollte man es umgekehrt betrachten: Standard Modus mit satten Tiefen und BassDown-Modus für den Podcast Genuss ohne Plosiv-Bombardement auf Knopfdruck.
Der Tieftonbereich ist erstaunlich mächtig für eine Box dieser Größenordnung. Bässe schieben druckvoll an, haben ordentlich Körper und zaubern vor allem bei Hip-Hop, Elektronik oder moderner Popmusik ein breites Grinsen ins Gesicht. Besonders unter freiem Himmel, wo sich Bässe naturgemäß schnell im Nichts verlieren, beweist die Box ihre Stärken. Die maximale Lautstärke reicht problemlos aus, um eine kleine Party im Garten oder am Strand mit ordentlich Pegel zu versorgen.

In den Mitten und Höhen zeigt sich jedoch, dass die Boom 2 primär auf Spaß und weniger auf analytische Präzision getrimmt ist. Ab Werk wirken Gesangsstimmen und filigrane Instrumente im mittleren Frequenzbereich etwas zurückgenommen und dumpf. Allerdings lässt sich an dieser Stelle Entwarnung geben: Der Zehn-Band-Equalizer in der Soundcore-App wirkt wahre Wunder. Wer die Mitten etwas anhebt und die Höhen leicht nachschärft, entlockt dem Lautsprecher ein deutlich ausgewogeneres und spritzigeres Klangbild, ohne dass der charakteristische Basspunch verloren geht. Ein leichtes Grundrauschen ist in extrem leisen Umgebungen bei minimaler Lautstärke zwar wahrnehmbar, fällt im normalen Betrieb im Freien aber überhaupt nicht ins Gewicht.

Testfazit Soundcore Boom 2: Robuste Krawallmacherin

Die Soundcore Boom 2 von Anker liefert genau das ab, was man von einem modernen Outdoor-Bluetooth-Speaker in der Preisklasse unter 100 Euro erwartet: extrem viel Gegenwert fürs Geld. Sie ist zwar kein feinfühliger Audiophilen-Traum, aber eine absolut robuste und vor allem unterhaltsame Allrounderin für unterwegs.
Mit ihrem wasserdichten Gehäuse, der extrem langen Akkulaufzeit, der praktischen Powerbank-Funktion und einer gut ergänzenden App schnürt Anker hier ein rundes Gesamtpaket. Kleine Schwächen wie die lange Ladezeit, der fehlende Klinkeneingang oder auch der ohne den Bass Boost recht flache Sound, lassen sich angesichts des starken Preis-Leistungs-Verhältnisses problemlos verschmerzen. Wer eine robuste Krawallmacherin für die nächste Outdoor-Saison sucht, kann bei der Soundcore Boom 2 bedenkenlos zugreifen.

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