CMF Speaker S und M im Test: Zwei Milchtüten machen Sound

von Mandi 15.10.2026

Auffallend, poppig und transportabel: Mit den CMF Speaker S und CMF Speaker M erwarten uns Lautsprecher der anderen Art!

Frisch aus dem Kühlregal

CMF wagt sich erstmals an tragbare Bluetooth-Lautsprecher und tut das nicht gerade unauffällig. Der CMF Speaker S und der größere CMF Speaker M sehen aus wie stilisierte Milchkartons, bringen wechselbare Fronten und Drehregler mit und wollen gleichzeitig robust, flexibel und erschwinglich sein. Mit 59,- Euro für den S und 99,- Euro für den M positioniert CMF beide Modelle klar im massentauglichen Preisbereich. Das Konzept klingt zunächst nach typischem Nothing-Design-Gimmick. Doch hinter der kantigen Optik steckt eine überraschend vollständige Ausstattung: Bluetooth 6.0, USB-C-Audio, Multipoint, NFC, Auracast, Stereokopplung, IP68-Schutz und bis zu 18 Stunden Akkulaufzeit. Die spannende Frage lautet daher nicht nur, ob die Lautsprecher auffallen, sondern ob sie im Alltag auch mehr können als gut aussehen. 

Der kleinere CMF Speaker S ist mit 130,5 × 85 × 44 Millimetern und 334 Gramm tatsächlich ausgesprochen kompakt. Eine seitliche Befestigungsöse nimmt einen Karabiner oder ein Band auf, wodurch sich der Lautsprecher problemlos am Rucksack, an einer Tasche oder am Fahrrad befestigen lässt. Der Speaker M bringt mit 220 × 85 × 54 Millimetern und 602 Gramm deutlich mehr Volumen mit, bleibt dank seines integrierten Griffs aber ebenfalls transportfreundlich. Die ungewöhnliche Form ist nicht bloß Selbstzweck. CMF übernimmt für beide Modelle eine klare, geometrische Designsprache mit schräger Oberseite, sichtbaren Bedienelementen und farbigen Akzenten. Erhältlich sind die CMF Speaker S und M in Weiß, Dunkelgrau, Orange und Türkis. Dann widmen wir uns doch dem tatsächlichen Testbericht und dafür packen wir sie erst mal aus!

Zwei Konzepte, zwei Klangklassen

Ein besonders charmantes Detail sind die abnehmbaren Frontpanels und Drehregler. Ein Schalter auf der Rückseite entriegelt die Front, der Regler lässt sich ebenfalls abziehen und austauschen. CMF stellt außerdem standardisierte, 3D-druckbare Designs in Aussicht, sodass sich die Lautsprecher langfristig stärker personalisieren lassen könnten. Zum Marktstart sind die zusätzlichen Panels und Regler allerdings noch nicht separat verfügbar, das ist aber kein Beinbruch. Die Verarbeitung wirkt insgesamt sauber und dem Preis angemessen. Scharfe Kanten oder offensichtliche Schwachstellen fallen nicht auf, wobei die Wechselmechanik beim Speaker S etwas schwergängiger ausfällt als beim M.

Technisch trennt CMF die beiden Modelle klar voneinander. Der Speaker S arbeitet mit einem 45-Millimeter-Breitbandtreiber und zwei Passivradiatoren. Er liefert bis zu 10 Watt RMS und deckt laut Hersteller einen Frequenzbereich von 70 Hertz bis 20 Kilohertz ab. Für Küche, Bad, Schreibtisch oder unterwegs ist das eine plausible Ausstattung. Der Speaker M spielt in einer anderen Liga: Ein 70-Millimeter-Woofer mit 25 Watt RMS übernimmt den Tieftonbereich, während ein 16-Millimeter-Hochtöner weitere 10 Watt beisteuert. Zusammen ergeben sich 35 Watt RMS und ein nomineller Frequenzbereich von 60 Hertz bis 20 Kilohertz, und der Aufbau verspricht eine sauberere Trennung zwischen Bass, Stimmen und Instrumenten.

Optional: Die Nothing X-App

Die stärkste Designentscheidung ist vielleicht der physische Drehregler. Drehen verändert die Lautstärke, ein Druck startet oder pausiert die Wiedergabe, zweimal Drücken springt zum nächsten Titel und dreimal Drücken zum vorherigen. Eine längere Betätigung aktiviert je nach Konfiguration Ultra Bass oder Breite Bühne. Dadurch funktionieren die wichtigsten Aufgaben auch dann, wenn das Smartphone gerade in der Tasche steckt. Ergänzt wird der Regler durch separate Tasten für Einschalten, Bluetooth und Auracast. Das wirkt im Alltag angenehmer als eine Ansammlung winziger Multifunktionstasten, bei denen man sich erst die jeweilige Tastenkombination merken muss. Die Nothing X-App bleibt trotzdem nützlich: Sie bietet Equalizer, Firmware-Updates (im Test war die Version 1.0.1.55 aktuell), Tastenanpassungen und weitere Einstellungen, ist für die grundlegende Wiedergabe aber nicht erforderlich.

Habt ihr den CMF Speaker S oder Speaker M via Bluetooth verbunden, so kann auch die Nothing X-App das Gerät verwalten. Hier sehen wir ganz oben den aktuellen Akkustand und es steht uns der Modus Breite Bühne („Behoben“ und „Aus“) zur Verfügung. Dann reihen sich Ultra Bass, der Stereo-Modus für zwei gleiche Lautsprecher, ein gedämpfter Nachtmodus und ein Modus mit niedriger Latenzzeit in die Riege der Optionen ein. Der Equalizer bietet vier vorgefertigte Einstellungen (Balance, Mehr Bass, Mehr Höhen und Stimme) an, und unter Angepasst finden wir einen Drei-Band-Equalizer zum Selber-Einstellen. Die Bedienelemente lassen sich ebenso konfigurieren wie die Doppelte Verbindung und ein Party-Modus. Dieser ist nur ein anderer Name für Auracast, dank dem ihr zwei oder mehr Lautsprecher drahtlos für eine breitere Klangbühne für ein immersives Hörerlebnis verbinden könnt.

Der Sound von S und M

Im Hörtest bestätigt sich: CMF hat hier eine klare Trennung vorgenommen. Der Speaker M klingt lebendig, kräftiger und kontrollierter, auch wenn die Lautstärke steigt. Stimmen bleiben verständlich, Instrumente lassen sich besser voneinander unterscheiden und der Bass besitzt mehr Körper. Somit kann man dem M ein angenehmes Klangbild bescheinigen, das auch größere Räume und kleine Gruppen im Freien problemlos beschallt. Der Speaker S ist dagegen stärker auf unkomplizierte Alltagsunterhaltung ausgelegt. Stimmen und Melodien kommen ordentlich zur Geltung, bei komplexeren Stücken wirkt das Klangbild jedoch weniger differenziert. Natürlich ist der kleinere Speaker auch nicht dazu gedacht, ihn bei voller Lautstärke zu betreiben. Er wird zwar ordentlich laut, doch dann fällt so manches Klirren und Zerreißen stark ins Klangbild. Doch auch 60-70 % der Lautstärke reichen vollkommen aus!

Die 40,- Euro Aufpreis investieren Interessierte somit nicht in zusätzliche Funktionen, sondern vor allem in Klangvolumen und Reserven. Beide Lautsprecher bieten einen Ultra-Bass-Modus, der sich via App oder am Gerät aktivieren lässt. Beim Speaker M funktioniert das überzeugend, solange man es nicht übertreibt: Tiefe Frequenzen gewinnen an Gewicht, ohne grundsätzlich unkontrolliert zu wirken. Bei basslastiger elektronischer Musik kann der Effekt besonders viel Spaß machen, bei ohnehin kräftig abgemischten Popsongs wird er dagegen schnell dominant. Generell haben die Regler in der Nothing X-App meiner Meinung nach zu hohe Auswirkungen, „dezent“ ist ein Fremdwort für den Speaker S oder Speaker M. Da müsst ihr herumprobieren, was ihr beim Equalizer respektive bei den Punkten Ultra Bass oder Breite Bühne lieber habt, da sich alle Einstellungen wirklich hörbar auswirken.

Bringt die Party

Bei der Konnektivität zeigt CMF ungewöhnlich viel Ehrgeiz. Beide Modelle unterstützen Bluetooth 6.0, NFC, Google Fast Pair und Microsoft Swift Pair. Außerdem können zwei Geräte gleichzeitig verbunden bleiben, was den Wechsel zwischen Smartphone und Laptop erleichtert. Als Bluetooth-Codecs nennt CMF AAC und SBC, moderne höherwertige Bluetooth-Codecs wie aptX oder LDAC sind nicht vorgesehen. Das ist bei dem Preispunkt aber auch gar nicht notwendig! Spannender ist der USB-C-Anschluss, der nicht nur zum Laden dient, sondern auch digitale Audioübertragung ermöglicht. CMF verspricht dabei verlustfreie Wiedergabe und eine Latenz von weniger als 60 Millisekunden. Genau diese Funktion hebe ich gerne als Besonderheit hervor, da sie in dieser Preisklasse selten zu finden ist. Für Filme, Spiele oder den Einsatz am Notebook ist das deutlich interessanter als eine bloße Bluetooth-Verbindung.

Wie vorhin bereits erwähnt: Mit Auracast können mehrere kompatible Lautsprecher in den Party-Modus geschaltet werden. Zusätzlich lassen sich zwei Speaker S oder zwei Speaker M zu einem Stereopaar verbinden. Der Party-Modus ist dabei nicht auf die Kombination eines S mit einem M ausgelegt, für echtes Stereo müssen zwei gleiche Modelle verwendet werden. In der Praxis funktioniert die Kopplung über die Auracast-Taste besonders unkompliziert. Wenn ihr diesen Modus aktiviert, bleiben die Lautsprecher dabei sehr synchron und ohne wahrnehmbaren Versatz. Die Funktion ist für Garten, Terrasse oder kleine Feiern deutlich praktischer, als der Preis vermuten lässt, vorausgesetzt, es stehen mehrere kompatible Lautsprecher zur Verfügung.

Ausdauernd und robust

Mit IP68 sind beide Lautsprecher gegen Staub und Wasser geschützt. Unter den angegebenen Testbedingungen sollen sie bis zu 30 Minuten in bis zu 1,5 Metern Süßwasser überstehen. Damit sind Regen, Spritzwasser, Poolnähe oder ein unglücklicher Ausflug ins Badezimmer kein Grund zur Panik. IP68 bedeutet jedoch nicht, dass der Lautsprecher dauerhaft unempfindlich bleibt. Nothing weist selbst darauf hin, dass die Schutzwirkung durch Alterung, Beschädigungen, Demontage und normale Abnutzung nachlassen kann, das ist mittlerweile der gute Standard. Auch die angegebene Fallprüfung von knapp einem Meter ist kein Freibrief für Stürze auf harte oder unebene Böden. Die Lautsprecher sind robust, das ist aber kein Ersatz für vorsichtigen Umgang.

Für beide Modelle nennt CMF eine Laufzeit von bis zu 18 Stunden. Dieser Wert gilt bei 50 Prozent Lautstärke, aktiviertem Ultra Bass, AAC-Wiedergabe und kontrollierten Laborbedingungen. Der Speaker S besitzt einen 2.600-mAh-Akku, der Speaker M einen 4.900-mAh-Akku. Das größere Modell benötigt mit rund drei Stunden etwas länger für eine vollständige Ladung als der S mit etwa zweieinhalb Stunden. Eine Schnellladefunktion bringt in zehn Minuten Ladezeit bis zu eine Stunde Wiedergabe, sofern ein passendes Netzteil verwendet wird. Bei hoher Lautstärke sinkt die tatsächliche Laufzeit naturgemäß deutlich, die Herstellerangaben sind daher eher ein günstiger Best-Case als eine realistische Garantie für jede Nutzungssituation.

CMF Speaker S oder CMF Speaker M?

Der CMF Speaker S um 59,- Euro ist die bessere Wahl, wenn Mobilität, geringes Gewicht und ein niedriger Preis im Vordergrund stehen. Er passt in kleinere Taschen, lässt sich am Rucksack befestigen und reicht für Podcasts, Hintergrundmusik, Küche, Bad oder gelegentliche Ausflüge völlig aus. Gleichzeitig ist er körperlich unauffällig, auch wenn seine Farbe möglicherweise doch die Blicke auf sich zieht. Seine Schwächen liegen beim weniger differenzierten Klang und den geringeren Leistungsreserven bei höheren Lautstärken.

Der Speaker M um 99,- Euro empfiehlt sich dagegen für alle, die regelmäßig lauter hören, größere Räume beschallen oder im Freien etwas mehr Druck benötigen. Er ist schwerer und weniger unauffällig, liefert dafür dank Zwei-Wege-System den deutlich erwachseneren Klang. Ausstattung, Bedienung, Schutzklasse und Akkulaufzeit sind ansonsten weitgehend identisch, der Aufpreis von 40,- Euro fließt vor allem in das Lautsprechersystem. Doch für kleine und mittelgroße Räume tut es auch ein Speaker S!

Mehr als nur ein Designstück

CMF gelingt mit dem Speaker S und Speaker M ein überzeugender Einstieg in den Markt für tragbare Lautsprecher. Beide Modelle kombinieren auffälliges Design mit einer Ausstattung, die in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich ist. Besonders USB-C-Audio, Auracast, Multipoint, IP68 und der physische Drehregler machen die Lautsprecher im Alltag vielseitiger, als es die verspielte Milchtüten-Optik zunächst vermuten lässt. Gleichzeitig ist das Design sehr praktisch.

Der Speaker S ist der sympathische Mitnehm-Lautsprecher für unterwegs: kompakt, robust und mit 59,- Euro fair bepreist. Der Speaker M rechtfertigt seinen Preis von 99,- Euro mit deutlich mehr Leistung, tieferem Bass und einer saubereren Wiedergabe. Klanglich ersetzen beide keine hochwertige Hi-Fi- oder WLAN-Box, als unkomplizierte Alltagslautsprecher mit Charakter zum Mitnehmen sind sie aber eine erfreulich eigenständige Alternative zu den üblichen langweiligen Boxen.

Wertung: 9.0 Pixel

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