Final Symphony Kritik: Emotionaler Ausflug in die Welt von Final Fantasy

von Stefan Hohenwarter 18.03.2018

Gestern Abend pilgerten – wie auch ich – unzählige Fans von Cloud, Sephiroth, Tidus, Yuna & Co. ins Wiener Konzerthaus, um Final Symphony, ein Konzert mit Nobuo Uematsus komponierter Final Fantasy-Musik, – gespielt vom Bratislava Symphony Orchestra – zu erleben. Was ich davon halte, erfahrt ihr in meiner Final Symphony Kritik.

Der Komponist – Nobuo Uematsu

30 Jahre ist es her, dass eines der erfolgreichsten Spielfranchises seinen Siegeszug um die Welt antrat: Square Enix‘ Final Fantasy.  Der Erfolg – vor allem der älteren Ableger – basiert neben interessanten Charakteren, spannenden Geschichten und einer tollen Inszenierung auf der effektvollen, preisgekrönten Musik vom japanischen Musiker Nobuo Uematsu. Als einer der meist gefeierten Komponisten seines Genres ist es Uematsu gelungen, der Videospiel-Musik einen ganz neuen Stellenwert und weltweite Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das konnte man auch gestern im Konzerthaus sehen: das Publikum war mit jungen bis alten Fans, egal welchen Geschlechts, egal welcher Nationalität – so vielschichtig, wie auch die Spielreihe.

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Der Dirigent – Eckehard Stier

„Im sächsischen Dresden geboren und aufgewachsen, fühlt sich Dirigent Eckehard Stier als musikalischer Weltbürger. Vom Kruzianer und erstem Preisträger des Rudolph-MauersbergerStipendiums führte sein Weg zum GMD eines deutschen Dreispartenhauses und Music Director des Auckland Philharmonia Orchestra in Neuseeland. Zahlreiche Konzertverpflichtungen führten ihn bisher auf vier Kontinente zu Spitzenorchestern wie dem London Symphony Orchestra, dem London Philharmonic, dem Tokyo Philharmonic Orchestra, dem Melbourne Symphony Orchestra und der Dresdner Philharmonie. Eckehard Stier hat ein breites Repertoire von mehr als 80 Bühnenwerken dirigiert und sich einen Namen als Operndirigent erarbeitet. Seine Offenheit und sein innovativer Umgang mit Musik führt ihn um die ganze Welt, zu inspirierenden fremden Kulturen und vielfältigen Crossover-Projekten, die er als Dirigent als auch als Pianist bereichert.“ (Quelle: Offizielle Final Symphony Presse-Info)

Seine Offenheit für die Musik zeigt er auch mit dem Engagement als Dirigent bei Final Symphony, denn wie er im Gespräch mit Nino Kerl auf der Bühne erklärt, hat er noch kein einziges Final Fantasy jemals gespielt. Trotzdem kann er die Magie und die Emotion der Musik spüren.

Der Moderator – Nino Kerl

Als ich keine Videowall hinter dem Orchester sah, und dann nur „ein Dirigent“ die Bühne betrat, dachte ich schon, dass es für manche ZuseherInnen wohl schwer sein könnte, die Musik richtig einzuordnen. Umso erstaunter war ich, als der sympathische Nino Kerl (u.a. bekannt durch seinen YouTube-Channel NinotakuTV), dessen absolutes Lieblingsspiel Final Fantasy VII ist, ins Rampenlicht trat. Er führte gekonnt durch den Abend und bescherte dem Publikum ein paar interessante Zusatzinformationen zur Darbietung.

Die Location – Das Konzerthaus

Wie wichtig, die richtige Eventlocation ist, konnte man gestern einmal wieder sehr gut sehen. Wenn ich mich an Hans Zimmer in Concert oder Zelda: Symphony of the Goddess zurückerinnere, so fällt mir sofort ein, dass die Akustik bei den beiden Konzerten ein Graus war. Ganz im Gegensatz zum Wiener Konzerthaus (mehr Infos zur Geschichte), das speziell für klassische Musik ausgelegt ist. Jedes Musikinstrument konnte das geschulte Ohr eindeutig identifizieren und sogar die Position im Orchester zuordnen. Traumhaft!

Die Fortsetzung – Final Symphony 2

Wer nun denkt, dass mit Final Symphony schon alles „gehört“ wurde, irrt: 2015 feierte Final Symphony 2 die Premiere und ich bin mir sicher, dass auch dieses Ohrenschmaus früher oder später zu uns nach Wien kommen wird. Hier ein kurzes Video von Nino Kerls YouTube-Channel:

Final Symphony Kritik: Emotionaler Ausflug in die Welt von Final Fantasy

Gestern Abend konnte das Publikum Medleys aus den Spielen Final Fantasy 6, 7 und 10 erleben. Ich war anfangs etwas skeptisch, ob die Musik auch ohne Videowall im Hintergrund funktionieren wird. Denn wie auch bei Filmmusik, kommt die wahre Pracht normalerweise erst im Zusammenspiel mit den Bildern zur vollen Entfaltung. Meine Befürchtungen lösten sich allerdings nach kurzer Zeit in Luft auf. Die Szenen manifestierten sich mit den ersten Klängen des Bratislava Symphony Orchestra vor meinem geistigen Auge: Egal ob Tidus und Yuna im See bei Mondlicht (Final Fantasy 10), Sephiroth (Final Fantasy 7), oder Kefka aus Final Fantasy 6 – jeder der drei Akte, wovon mir der zweite mit Mischa Cheung am Piano am besten gefallen hat, löste bei mir Emotionen und Erinnerungen aus.

Genau das ist die Magie von Nobuo Uematsu Musik und der Grund, warum so viele Menschen weltweit dafür in Konzertsäle pilgern – auch wenn die Preise dafür im höheren Segment liegen. Und auch wenn das Konzerthaus nicht bis auf den letzten Platz gefüllt war, so war die Begeisterung im Saal riesig. Danke für das tolle Konzert.

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Nussi
Gast
Nussi

Ich finde interessant, dass du Wert auf die Video-Wall legst. Genau diese nervt mich bei Distant Worlds / Video Games Live etc. ziemlich. Die Bilder zur Musik bilden sich im Kopf, aus den Erinnerungen, nicht zuletzt bieten der Dirigent und alle Musiker eine super Performance (zumindest bei meiner letzten Aufführung von Final Symphony, ich war nicht in Wien).
Ich empfinde die Video-Wall sogar als Herabsetzung der musikalischen Leistung, gerade bei den Konzerten mit neuen Arrangements, in denen eben nicht 1:1 der Soundtrack nachgedudelt wird.