Inside (PC) im Test

von Mandi 10.07.2016

Das dänische Entwicklerstudio Playdead zeigte erstmals mit Limbo auf. Mit dem düsteren Graustufenspiel hat sich Playdead ausgezeichnet und gewann mehrere Preise. Inside ist der neue Titel des Studios. Kann dieses Adventure an alten Glanz anknüpfen? Lest hier das Review!

Was in Limbo geschah

Gleich vorweg: Ihr müsst Limbo nicht gespielt haben. Limbo und Inside hängen nicht zusammen, nur der Spieletypus ist sehr ähnlich. Was war in Limbo so los? Ein namenloser Junge wachte in einem Wald auf und rannte von dort aus nach rechts. Anscheinend machte er sich auf die Suche nach seiner Schwester. Während des Spieles begegnete der Protagonist anderen NPCs, allerdings wollten ihn die meisten töten.

Da gab es keine große keine Vorgeschichte und keinen Plot. Die Spielebeschreibung der Entwickler lautet: „Uncertain of his sister’s fate, a boy enters Limbo“. Das Ende von Limbo ist offen und lässt Raum für Interpretationen. Das Spiel kam ohne ein einziges Wort aus und überlässt SpielerInnen selbst die genaue Handlung. Fakt ist:  Um innerhalb der Spielwelt voranzuschreiten, musste der Hauptheld einige Rätsel lösen.

Auch physikalische Gegebenheiten und Fallen waren mit von der Partie. Tappte der Namenlose in eine Falle, so starb er. Das Ableben wurde bis zum bitteren Ende angezeigt, wenngleich nur als Silhouette. Durch Versuch und Irrtum wurden SpielerInnen dazu „erzogen“, das Richtige zu tun. Bodenplatten, Hebel und Gravitationsrätsel waren da nur ein Teil des Ganzen. Limbo kam nicht nur bei mir sehr gut an, doch nun stehen wir vor Inside.

Inside Titel

Willkommen im Inside

Inside ist kein Nachfolger oder Me-too von Limbo, sondern ein ganz eigenständiger Titel. Ähnlich sind jedoch das Spielprinzip und die Handlung: Wieder beginnt ihr als Junge, allein und verlassen. Wieder lauft ihr nach rechts, wieder scheint ihr auf der Suche oder auf der Flucht vor etwas zu sein. Wieder kommt der Titel ohne Worte aus. Inside ist jedoch ein wenig bunter als Limbo, es ist kein reines Graustufenspiel.

Trotz der düsteren Atmosphäre tut da und dort ein Klecks Farbe Inside richtig gut. Abgesehen davon beginnt Inside eher Limbo-esque, da auch dieser Titel ein 2D-Sidescroller ist. Klar dürfen hier auch Rätsel und Geschicklichkeitspassagen nicht fehlen, doch die Stimmung ist ganz anders. Schon nach den ersten Minuten bemerkt ihr, dass es ein schauderhaftes Regime gibt, dessen Exekutive den kleinen Jungen umbringen will.

Sobald ihr in ein Scheinwerferlicht tretet, seid ihr tot – das ist die Lektion der ersten Minuten. Entweder trifft euch ein Schocker, ein Hund wird auf euch losgelassen oder ihr werdet gewürgt. Die grausamen Tode hat Inside von Limbo geerbt, sie sind aber Mittel zum Zweck: Den Fehler begeht ihr kein zweites Mal. Auch in Inside heißt es oft Versuch und Irrtum zu durchlaufen, damit ihr die Rätsel lösen könnt.

Inside Tresor

Etwas Altes, etwas Neues…

Wer Limbo kennt, wird sich in Inside sofort heimisch fühlen. Auch hier kann der Protagonist nicht viel tun außer laufen, springen und Dinge herumziehen. Diese willkürliche Limitation der Fähigkeiten macht es einfach, das Spielprinzip zu verstehen. Die Konzentration auf die Rätsel und Umgebungen macht es ebenfalls einfacher, da nicht so viele Möglichkeiten bestehen.

Inside kann aber mehr als nur 2D. Da die Hintergründe ein eigenes dreidimensionales Leben haben, geht hier viel mehr ab als noch in Limbo. Euer Hauptheld jedoch läuft auf seiner Ebene links und rechts, wieder etwas, worauf ihr euch fokussieren könnt. Wenn aber plötzlich Laster wegfahren, Wachen herumspazieren oder später sich in der Büroumgebung etwas tut, wirkt Inside wahnsinnig atmosphärisch.

Das liegt nicht zuletzt an der gigantischen Sounduntermalung, die für irrsinnige Stimmung sorgt. Ob es ein kleiner Tune im Hintergrund ist oder drei Hunde euch gleichzeitig verfolgen: Inside gibt euch ein Gefühl für die Situation mit. Meist fühlt es sich beklemmend an, aber wenn ihr eine haarige Episode geschafft habt, folgt die Erleichterung.

Inside Unterwasser

…etwas Geborgtes, etwas Blaues

Inside ist nicht wirklich schwierig, wenn ihr gewillt seid, Herausforderungen mehrmals zu lösen. Die Speicherpunkte sind in regelmäßigen Abständen gesetzt, sterbt ihr einmal, müsst ihr maximal 30 Sekunden erneut spielen und etwas Anderes versuchen. Es gilt, Scheinwerferkegeln auszuweichen oder Druckstößen, Wachen zu umgehen und Jump’n’Run-Passagen zu meistern. Vieles hat mit Timing zu tun, es gilt also, schnell zu reagieren.

Neu ist die Möglichkeit der Gedankenkontrolle, die zunehmend ein zentrales Element in Inside wird. Durch lampenartige Vorrichtungen könnt ihr zeitweise andere Charaktere steuern, so wie etwa die Fernbedienung in Kirby Planet Robobot für 3DS. Ihr bekommt binnen Minuten ein neues Konzept vorgestellt, und nach ein, zwei Versuchen solltet ihr den Dreh raushaben. Das macht Inside wirklich, wirklich gut.

Eine gefühlte Hälfte des Spiels werdet ihr im oder unter Wasser verbringen. Da ist es angebracht, auch über das Wasser in Inside ein paar Worte zu verlieren. Es gibt kein HUD für eure Sauerstoffanzeige, sondern ihr müsst auf die Reaktion eures Jungen achten. Auch hier ist es hilfreich, einmal zu ertrinken, damit ihr abschätzen könnt, wie lange die Luft ausreicht. Die Animationen hierfür und die generelle Unterwasseroptik sind sehr überzeugend und augenscheinlich.

Kleiner Hinweis für AMD-Nutzer: Meine Grafikkarte vertrug sich nicht mit Inside, weil ich die AMD-seitige Shaderoptimierung (Standardeinstellung) aktiviert hatte. Kaum war diese Option deaktiviert, wurde ich nicht mehr alle zwei Minuten aus dem Game geworfen. Die Fehlermeldung „AMD-Anzeigetreiber wurde wiederhergestellt, weil es ein Problem damit gab“ konnte ich echt nicht mehr lesen! Das trübte die Stimmung anfangs gewaltig.

Inside Chicksies

Von Wow bis What The F

Apropos Stimmung: Inside macht hier vieles richtig und hat auch kleine Seitenhiebe auf andere Titel parat, die schnell übersehen werden können. Mir persönlich sind The Witcher 3: Wild Hunt sowie Assassin’s Creed aufgefallen, wobei man durchaus auch noch Filme dazuzählen kann. Egal, ob ihr durch Wasserpfützen stapft oder euch kleine Hühnchen untertan macht, das Spiel fesselt euch.

Die Tierwelt ist in Inside generell etwas lebhafter und überzeugender geraten. Sei es der zähnefletschende Hund, der sein Gebiss in eure Kehle rammen will oder die Fischlein, die euch beim Tauchgang begleiten: Mit immens viel Liebe zum Detail zeigt Playdead, dass es nicht immer Fotorealismus braucht, um euch in ein Spiel versinken zu lassen. Das hat das Studio wirklich drauf, und ich freue mich schon auf den nächsten Release von ihnen.

Dass der Titel gerade mal vier Stunden Spielzeit bietet, ist beim Preis von 19,99 via Steam meiner Meinung nach voll in Ordnung. Da die Stimmung und die Rätsel derart dominieren, entsteht ein regelrechter Sog, der euch nicht aufhören lässt. So gesehen ist es gut, dass das Abenteuer nicht länger dauert – ich persönlich habe Inside in zwei Zügen eineinhalb Mal durchgespielt. Nicht, weil ich es testete, sondern weil ich es wollte.

Inside Spurt

Inside: Unvergesslich wie Limbo

Es tut mir ja schon fast leid, so viele Parallelen zum anderen Playdead-Spiel gezogen zu haben. Allerdings ist dies nur im Positiven gemeint und es liegt ja auf der Hand, so viele Parallelen gibt es. Diese treten aber nur beim Spielprinzip auf, denn die Umsetzung ist eine ganz andere. Anstatt ein Limbo 2 zu erwarten, solltet ihr mit offenen Augen an Inside treten, und ihr werdet so wie ich überrascht.

Gegen drei Viertel des Spiels werdet ihr aber auf jeden Fall von einer Storywendung aus der Bahn geworfen. Diese zeichnet sich zwar ein wenig ab, ihr wisst, dass etwas im Busch ist, aber mit so etwas kann man gar nicht rechnen. Etwas verstört, aber dennoch akzeptierend spielt ihr dann weiter und müsst mit neuen Mechanismen und Gegebenheiten klarkommen.

Es ist schwer zu beschreiben, so viel tut sich in nur drei bis vier Stunden. Andere Spiele bekommen diese Stimmung über den gesamten Verlauf nicht hin, was Inside mühelos in den ersten zehn Minuten schafft. Wenn ihr also mal einen einsamen Abend, Urlaubstag oder Zeit totzuschlagen vor euch habt, gebt Inside eine Chance. Wenn ihr auf Stimmung steht, ist Inside ein absoluter Oberkracher. Gebt Gas und überlebt!

Wertung: 9 Pixel

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[…] weit Spielentwickler manchmal gehen, um ihrer Vision treu zu bleiben, zeigt sich deutlich im Limbo-Nachfolger Inside. Die Musik des schaurigen Puzzle-Plattformers wurde über einen echten menschlichen Schädel […]

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