Ratatan Test (Nintendo Switch 2): Im Takt durch das kunterbunte Chaos

von Mandi 12.10.2026

Ratatan ist ein rhythmisches Roguelike-Actionspiel für Nintendo Switch 2, das sich unverkennbar an die Patapon-Tradition anlehnt. Lest unseren Test!

Über Ratatan

Schon auf der offiziellen Website des Spiels zeigt sich: Das ist mehr als ein simples Remake. Stattdessen verbindet das Entwicklerstudio Ratata Arts taktische Befehle, freie Bewegung, Side-Scrolling-Action und wiederholbare Roguelike-Runs zu einem erstaunlich eigenständigen Abenteuer. Das Game erscheint am 14. Oktober 2026, benötigt 1,6 GB Speicherplatz (ich testete die V 1.0.21) und unterstützt Online-Koop für bis zu vier Personen. Worum geht’s? Die Geschichte führt euch nach Rataport, eine farbenfrohe Insel, die wie eine lebendig gewordene Spielzeugkiste wirkt. Dort leben die Ratatans gemeinsam mit ihren Cobuns und träumen davon, das sagenumwobene Paradies zu erreichen und die dort lebende Göttin zu treffen.

Die Handlung bleibt dabei angenehm leichtfüßig und setzt weniger auf komplexe Dialoge als auf Charme, Animationen und eine sympathische Welt. Das passt gut zum grundsätzlichen Ton des Spiels. Ratatan erzählt von Kämpfen, Scheitern und Durchhaltevermögen, bleibt dabei aber konsequent verspielt. Die Figuren wirken niedlich, die Szenarien leuchten in kräftigen Farben und selbst größere Schlachten haben eher den Charakter eines überdrehten Bühnenstücks als eines ernsten Krieges. Die 2D-Animation gehört dabei klar zu den auffälligsten Stärken des Spiels. Wer so wie ich damals auf der PSP dem Patapon-Fieber verfiel, findet sich hier sofort wieder. Einen ersten Trailer zum Spiel gibt’s gleich hier:

So ist der Einstieg

Wenn ihr das Spiel zum ersten Mal startet, werdet ihr gleich mit einer Wahl konfrontiert. Denn ihr dürft euch vor dem ersten Durchlauf, ohne dass ihr überhaupt wisst, was auf euch zukommt, für eine der acht Ratatan-Figuren entscheiden. Sie haben verschiedene Lebenskraft, unterschiedliche Waffen und vor allem ganz spezielle Boni. Diese Wahl ist allerdings ohne Konsequenz, denn im Spiel dürft ihr laufend zwischen den Figuren wechseln, das hat also nur ganz wenig Aussagekraft am Anfang. Dann werdet ihr in die Welt rund um Rataport eingeführt und lernt die Aktionen im Game kennen. Ihr hört schnell, dass der Rhythmus beziehungsweise die Musik in diesem Spiel schwer dominieren. Das ist vielleicht ein wenig schräg, doch wer Patapon kennt, wird sich bei den ersten Takten sofort heimisch fühlen.

Wieder gebt ihr euren kleinen Einheiten Befehle, indem ihr Eingaben im Rhythmus der Musik ausführt. Angriffe, Bewegungen, Verteidigung und weitere Aktionen hängen davon ab, ob ihr die Befehlsfolgen im richtigen Moment trefft. Das Grundprinzip ist vertraut, fühlt sich aber keineswegs wie eine bloße Kopie an. Der entscheidende Unterschied liegt in der freien Bewegung. Während die frühere Inspiration stärker auf klar strukturierte Befehlsfolgen setzte, bewegt sich eure Figur in Ratatan auf euren Befehl durch die zweidimensionalen Areale. Ihr müsst also nicht nur den Rhythmus halten, sondern gleichzeitig eure Position beobachten, Gefahren einschätzen und entscheiden, wann eure Cobuns angreifen oder sich zurückziehen sollen. Genau diese zusätzliche Ebene macht aus dem Mix ein taktisches Actionspiel.

Der Beat macht die Musik

Das Kampfsystem lebt von einer reizvollen Doppelbelastung. Einerseits müsst ihr euch auf die rhythmischen Eingaben konzentrieren, andererseits dürft ihr die Bewegungen der Gegner nicht aus den Augen verlieren. Ein zu früher Befehl verpufft, ein zu später Rhythmus kann eure Formation aus dem Takt bringen. Gleichzeitig kann es fatal sein, wenn ihr zwar perfekt spielt, eure Ratatan-Figur aber mitten in einem gegnerischen Angriff steht. Eure Truppen, die Cobuns, haben eigene Lebensleisten. Wer mehrere Befehle hintereinander perfekt im Takt gegeben hat, erlangt den verstärkenden FEVER-Modus fürs gesamte Team!

Nach den ersten Runs beginnt dieses Zusammenspiel zunehmend intuitiv zu funktionieren. Ihr hört die Musik nicht mehr bloß als Begleitung, sondern nutzt sie als taktisches Signal. Besonders gelungen ist das Gefühl, wenn mehrere Befehle sauber ineinandergreifen und eure Cobuns wie eine einzige, gut geölte Maschine über das Schlachtfeld marschieren. Genau diese Verbindung aus Timing, Positionierung und strategischer Beobachtung ist es, was Ratatan so eine Sogwirkung entfalten lässt. Müsst ihr euch aber erst in das Universum einarbeiten, so kann die Bildschirmfülle gelegentlich überfordernd wirken.

Überfordernd ist Programm!

Auf dem Bildschirm kann es ordentlich wuseln. Denn während ihr euch durch die verschiedenen Umgebungen kämpft, setzt Ratatan bewusst auf spektakuläre Massenszenen. Eure kleinen Einheiten stürmen vor, Gegner greifen aus verschiedenen Richtungen an und Spezialaktionen sorgen regelmäßig für zusätzliche Unruhe. Manche Feinde verschanzen sich auf einem Turm, den es erst zu stürzen gilt, und andererseits können wesentlich stärkere Zwischengegner oder Zeitlimits für Belohnungen alles auf den Kopf stellen. Das ist optisch charmant und spielerisch aufregend, verlangt aber auch nach einem guten Überblick.

Gerade bei Bosskämpfen zeigt sich, ob ihr das System wirklich verstanden habt. Springen, Ausweichen, Blocken und Gruppieren werden wichtiger, während ihr gleichzeitig eure stärkeren Rhythmusangriffe zum richtigen Zeitpunkt einsetzen müsst. Je nachdem, welchen Anführer ihr steuert, habt ihr andere Boni zur Verfügung. Beispielsweise kann Kamonelo bei den Cobun-Truppen Lebenspunkte wiederherstellen, während Nyandola die Schnelligkeit des Teams erhöht oder Mashuma besondere Spezialfähigkeiten verstärkt. Die Bosskämpfe bringen euch dazu, Angriffsmuster zu lesen und nicht blind den nächsten Angriff zu starten.

Ratatan: Ein Roguelite

Der Wiederspielwert ist jedenfalls enorm hoch, denn Ratatan bricht mit der klassischen Struktur eines linearen Levels nach dem anderen. Stattdessen absolviert ihr endlos scheinende Runs, sammelt Belohnungen und trefft unterwegs Entscheidungen über Verbesserungen, Ausrüstung und zusätzliche Herausforderungen. Dazu gehören etwa Ratakaruta, sie sind wie Sammelkarten und bringen euch Boni wie etwa zusätzlichen Schaden, Barrieren oder passive Aufwertungen. Sie werden zufällig zugeteilt und helfen euch bei euren aktuellen Durchläufen. Nach einem Scheitern beginnt ihr erneut, nehmt aber Fortschritte und Ressourcen mit zurück in eure Basis.

Damit verschiebt sich der Schwerpunkt deutlich in Richtung Roguelite. Diese Entscheidung ist mutig, weil sie Ratatan von der geradlinigeren Patapon-Formel entfernt. Gleichzeitig passt sie gut zum Rhythmuskonzept: Jeder Run ist eine neue Gelegenheit, eure Befehle zu perfektionieren und mit anderen Verbesserungen zu experimentieren. So kann man in dieser Struktur eine erfrischende Weiterentwicklung erfühlen doch gleichzeitig fühlen sich spätere Abschnitte durch Gegner-Skalierung und begrenzte Abwechslung wesentlich zäher an, als möglicherweise gut für das Spiel ist. Wie das Ganze so während des Spielens aussieht, zeigt unser Gameplay-Mitschnitt:

Scheitern gehört dazu

Wie bei vielen Roguelites ist das Verlieren nicht das Ende, sondern Teil des Fortschritts. Gesammelte Ressourcen lassen sich für dauerhafte Verbesserungen einsetzen, wodurch eure nächste Reise etwas leichter oder zumindest besser planbar wird. Das erzeugt den bekannten „Nur noch ein Versuch“-Effekt, der Ratatan besonders für kurze, wiederholte Spielsitzungen interessant macht. Schnell ist die erste Welt geschafft, und die zweite ist schon wesentlich länger und bietet mehr Gegner, die es zu besiegen gilt. Wer am Ende eines Abschnitts aus Jux und Tollerei die Option für einen zusätzlichen Zwischengegner wählt, kann da schon mal rasch das Nachsehen haben.

Durch diese Schwierigkeitsspitzen und unvorhergesehene Zwischenfälle kann genau dieses System auch für Frust sorgen. Denn es ist durchaus zu bemängeln, dass Gegner im späteren Spielverlauf teilweise unverhältnismäßig viel aushalten und der Spielfortschritt dadurch stärker von permanenten Upgrades als vom eigenen Können abhängen kann. Das ist ein wichtiger Kritikpunkt, denn ein Rhythmusspiel sollte sich idealerweise vor allem durch besseres Timing und bessere Entscheidungen spielen lassen, nicht nur durch höhere Werte. Doch der stete Zyklus zwischen Scheitern, besseren Ausrüstungen und dann dem Doch-Weiterkommen lässt euch immer wieder spielen.

Ratatan: Ein Musical?

Ohne einen überzeugenden Soundtrack würde das Konzept kaum funktionieren, und hier liefert Ratatan eine seiner wichtigsten Grundlagen. Die Musik ist eingängig, energiegeladen und eng mit den Befehlen verbunden. Eure Einheiten reagieren nicht nur auf eure Eingaben, sie tragen aktiv zum rhythmischen Charakter der Kämpfe bei. Das vermittelt den angenehmen Eindruck, eine kleine chaotische Band durch das Gefecht zu dirigieren. So wie auch Patapon damals kommen im höchst erwünschten Fever-Modus noch mehr Ebenen zur Musik dazu, was es einerseits mitreißender und andererseits noch fordernder macht, genau im Takt zu bleiben.

Da der Takt so wichtig ist und im entsprechenden Modus der wirklich genau gehalten werden muss, ist der Soundtrack ausdrücklich hervorzuheben. Mehr noch, ich sehe darin einen zentralen Bestandteil des Spielerlebnisses. Gleichzeitig gibt es eine Einschränkung: Wiederholte Gesänge und ständig ähnliche musikalische Muster können nach längeren Sitzungen ermüdend wirken. Ratatan ist deshalb besonders gut für kürzere Sessions geeignet, damit ihr euch nicht abhört. Dazu passt natürlich die Natur der Nintendo Switch 2, aber auch die Möglichkeit, einen Durchlauf zu unterbrechen und später wieder aufnehmen zu können.

Die Technik des Spiels

Visuell setzt Ratatan nicht auf realistische Effekte, sondern auf klare Formen, kräftige Farben und lebhafte 2D-Animationen. Die Welt wirkt freundlich, verspielt und bewusst etwas skurril. Das unterscheidet den Titel angenehm von vielen düsteren Roguelites, in denen jeder Raum nach Verfall und Gefahr aussieht. Rataport darf dagegen wie ein überdrehter Kindertraum wirken, bevor die nächste Schlacht ausbricht. Die Gestaltung unterstützt auch die Lesbarkeit, zumindest dann, wenn nicht gerade die gesamte Armee gleichzeitig über den Bildschirm marschiert. Bei Massengefechten kann die Übersicht naturgemäß leiden, weshalb klare gegnerische Animationen und verlässliche Angriffssignale besonders wichtig sind. Die hohe Informationsdichte bleibt aber eine der Herausforderungen des Spiels.

Wer sich davon nicht aus dem Takt bringen lässt, bekommt ein ganz starkes Musikerlebnis der Extraklasse. Da wird getrommelt, da wird gesungen, da fliegen euch die Geschosse der Feinde um die Ohren! Auch, wenn man es einem Game wie Ratatan erstmals gar nicht so zutrauen würde, so gut wie jede Figur macht ihre eigenen Geräusche und das Spiel wird noch einmal besser, wenn ihr selbst im Takt bleibt und euch nicht mehr auf die Anzeige im unteren Drittel verlassen müsst. Das bringt euch dann auch schon zur Steuerung des Games: Es gibt einen Grund, warum es einen Einfach-Modus anbietet. Denn hier wird gnadenlos unterschieden, ob ihr den Takt perfekt, genau oder nur schwach trefft. Anstatt den Befehl dann schwächer auszuführen, tun eure Cobuns dann gar nichts. Fordernd und fies!

Das Fazit zum Spiel

Ratatan richtet sich vor allem an alle, die Rhythmusspiele, taktische Action und Roguelites miteinander verbinden möchten. Fans von Patapon erhalten eine moderne, deutlich actionreichere Variante des bekannten Grundgedankens. Wer dagegen mit präzisem Timing wenig anfangen kann oder eine geradlinige Kampagne erwartet, könnte sich an den wiederholten Runs und dem Grind stören. Auf Nintendo Switch 2 bringt der Titel außerdem passende Eigenschaften für kurze Sessions mit. Die tatsächliche Spielgröße fällt mit 1,6 GB überschaubar aus, und die Unterstützung von Handheld-, Tisch- und TV-Modus macht das Spiel flexibel einsetzbar. Die freien Bewegungen verleihen dem Patapon-Grundprinzip mehr Dynamik, während die Musik eine Stärke ist. Besonders wirken der farbenfrohe Stil, die charmanten Figuren und das befriedigende Gefühl, eine ganze Truppe exakt im Takt zu dirigieren.

Aber nicht jede Entscheidung überzeugt gleichermaßen. Der Grind, die Gegner-Skalierung im späteren Spielverlauf und die gelegentliche Unübersichtlichkeit könnten dafür sorgen, dass die Begeisterung nach einigen Runs nachlässt. Hier hat es mir persönlich aber geholfen, einfach mal eine Pause zu machen und danach den Lauf einfach erneut zu starten, beruhigt, gestärkt und mit besserer Ausrüstung. Wenn ihr es liebt, der Musik zu folgen, immer wieder einen Run zwischendurch zu starten, mit stärkerer Ausrüstung nach Rataport zurückzukehren und dann weiter zu kommen als zuvor, seid ihr hier richtig. Ratatan erscheint für PC, PS5, Xbox Series und Nintendo Switch 2 am 14. Oktober 2026 um 34,99 Euro, wobei Frühentschlossene jetzt noch 10 Prozent sparen können. Solltet ihr die Zeiten von Patapon vermissen, habt ihr hier jedenfalls den spirituellen Nachfolger und somit einen idealen Titel für euch gefunden!

Wertung: 8.5 Pixel

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